Was ihr wollt


Ich bin Programmierer und entwickle Software. Da ich dies schon eine ganze Weile mache (seit Anfang der 1990er Jahre), habe ich reichlich Erfahrung darin und habe auch gelernt, was bessere von schlechteren Projekten unterscheidet und wie man den einen oder anderen Fehler durch Projektmanagement vermeiden kann. Das qualifiziert mich zusätzlich als Projektleiter, auch wenn ich darin nicht meinen Tätigkeitsschwerpunkt sehe.

Eines bin ich nicht: Ich bin inhaltlich nicht auf ein Thema festgelegt. Als Programmierer habe ich gelernt zu abstrahieren, zu generalisieren und zu analysieren, kenne meine Werkzeuge, habe solide mathematische und technische Grundlagen. Das befähigt mich, unterschiedliche Themen anzugehen: Heute baue ich vielleicht eine Shop-Seite für eine Internetapotheke, morgen ein Präsentationstool für einen Autohersteller. Übermorgen schreibe ich einen Report für Verkaufstransaktionen und als nächstes könnte ich eine Integration zwischen Portal A und B erstellen. Natürlich ist es so, dass es sinnvolle Schwerpunkte gibt, denn man kann nicht alles mit der gleichen Detailtiefe behandeln: Ich biete erstklassige Technologieberatung zu Webtechnologien an, zu Portalen, Suchmaschinen, CMS und anderen Spielarten vernetzter Information. Mit 3D-Programmierung und -Visualisierung habe ich beispielsweise überhaupt keine Erfahrung, hier wär’ ich Neuling und müsste mich erst grundlegend einarbeiten.

Genau da zeigt sich aber das, was ich das deutsche Problem nenne: Hier darf man nur tun, was man schon gemacht hat. Der fiktive Kunde eines Handelsunternehmens wird mich stets fragen, ob ich denn schon für andere Handelsunternehmen gearbeitet habe. Wenn nicht, dann wird man mir fehlende Branchenerfahrung unterstellen, was dann auch meist das Ende des Gesprächs markiert. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich das spezifische Bedürfnis des Kunden erfüllen kann oder nicht, denn diese Einschätzung überlässt der Kunde nicht mir (einem Fachmann, den er für diesen Zweck anzuheuern gedenkt), sondern er möchte diese Entscheidung selbst treffen, möchte selbst filtern, ohne sich all zu sehr von Fachleuten reinreden zu lassen. Das ist nicht nur frustrierend für mich, sondern möglicherweise auch negativ für den Kunden: Am Ende erhält er nicht den Berater, der sein Problem am besten lösen kann, sondern den, der am besten zu seinen Erwartungen passt.

Über diese Dinge denke ich dann nach, wenn ich wieder mal bei einer Ausschreibung nicht in die engere Wahl komme, weil der Vermittler das Anforderungsprofil des Kunden allzu wörtlich nimmt und meine Leistungen lediglich mit Strg-F (“finden”) durchsucht. Für so manchen Kunden wäre es erfolgversprechender, wenn der Vermittler liefert, was der Kunde braucht - und nicht das, was er sucht.


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