Ganz schön teuer


Hier geht es ausnahmsweise nicht um das kürzlich vorgestellte iPad von Apple: Die Einkäufer großer Kunden versuchen das Gefühl zu vermitteln, man könne doch "irgendwie auch für billiger" arbeiten. Wer rechnen kann, merkt jedoch, dass das nicht geht.

Gelegentlich muss ich argumentieren, warum meine Arbeitsleistung diesen oder jenen Wert haben soll. Unausgesprochen schwebt dabei der Vorwurf im Raum, ich würde die erhobenen Stundensätze doch nur dazu benötigen, um mein ausschweifendes Leben zu finanzieren. Mal sehen, was kostet denn Geld?

  • Krankenversicherung: Voller Betrag, kein Arbeitgeberanteil
  • Altersvorsorge: Kein Riestern mit staatlicher Förderung
  • Reisekosten für PKW oder Bahn, Hotelübernachtungen, Verpflegung (schon mal bedacht, dass Externe in der Kantine immer mehr zahlen müssen?)
  • Nicht fakturierbare Zeiten, zB für Reisezeiten, Angebots- und Konzepterstellung
  • Zeiten ohne Umsatz, zB für Marketing, Buchhaltung, Fortbildung, Urlaub, Krankheit
  • Arbeitsmittel: Rechner und Software, Handy und UMTS, Drucker und Scanner, Büroeinrichtung, Visitenkarten, Papier & Porto
  • Berufsbezogene Versicherungen, Bankkosten für Geschäftskonto, Fachbücher und -zeitschriften
  • Mitgliedsbeiträge bei Projektportalen und Stellenbörsen

Zum Vergleich: Ein angestellter Entwickler/Projektleiter mit vielen (hier: mehr als 15) Jahren Erfahrung verdient je nach Unternehmensgröße 60-80 TEUR brutto im Jahr, was einer Arbeitgeberbelastung von 75-100 TEUR bei 25% Lohnnebenkosten entspricht. Dieser Mensch arbeitet im Jahr maximal an 211 Tagen jeweils 8 Stunden lang:

365 Tage im Jahr – 52*2 Wochenenden – 11 bundesweite Feiertage – 25 Tage Urlaub – 5 Tage Krankheit = 211 Arbeitstage

Das entspricht internen Kosten ohne Allgemeinkosten von mindestens 44,43 EUR bis 59,24 EUR, ungeachtet der nicht unerheblichen Kosten, einen solchen Mitarbeiter zu finden, ins Unternehmen zu integrieren und im schlimmsten Fall unter Einbehaltung einer Kündigungsfrist wieder loszuwerden. Setzt man die Kosten dafür mit 3+3+3=9 Monatsgehältern an, erhöhen sich die durchschnittlichen internen Kosten in den ersten 3 Jahren auf 54,39 EUR bis 72,52 EUR.

Kann mir mal einer erklären, wie Großunternehmen wie die Bahn oder andere hier Preise für qualifizierte Tätigkeiten vorgeben, die sich in der Größenordnung 50-60 EUR pro Stunde all in bewegen, also alle Reise- und Nebenkosten des Einsatzes beinhalten sollen? Wer am Einsatzort pro Tag 80 EUR für Anreise, Hotel und Verpflegung ausgibt, muss also 10 EUR pro Stunde als Reisekostenpauschale einrechnen. (Nebenbei bemerkt sind 80 EUR pro Tag wenig, das geht nur mit einem günstigen Hotel in Nähe des Einsatzortes und preiswerter Verpflegung)

Zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 11:55 von Christian Aust

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