Ich musste kürzlich ein Projektbewerbungsgespräch ganz kurzfristig absagen, obwohl mich das avisierte Thema wirklich gereizt hätte. Der Grund: Ich hatte unmittelbar vorher einen Verlängerungsauftrag eines Altkunden bekommen und war plötzlich nicht mehr verfügbar. Natürlich tut es mir leid um die Menschen, in der Sache hatte ich jedoch keine Alternative: Projektausschreibungen sind ein flüchtiges Gut und nichts ist teurer als das Herumsitzen zuhause, wenn kein Umsatz gemacht wird. Somit kann man es sich überhaupt nicht leisten, ein längeres sicheres Engagement für die Chance auf ein kürzeres Projekt ab-, oder allgemeiner: nicht zuzusagen.
Mein Ansprechpartner beim Projektvermittler reagierte verschnupft: Wieso ich denn nicht früher Bescheid gesagt hätte?
Das ist einfach: Weil Kunden mir keine Chance dazu geben. Meine Planung wäre viel einfacher, wenn Aufträge nicht immer in letzter Sekunde bestätigt werden würden. Tatsächlich werde ich aber häufig aufgefordert, hier und dort Angebote abzugeben— und höre anschließend wochen- und monatelang nichts mehr davon. Irgendwann klingelt dann das Telefon und ganz plötzlich muss alles fürchterlich schnell gehen. So auch hier: Die Verlängerung war abzusehen, der letzte Kontakt jedoch Monate alt. In der Zwischenzeit wurde diskutiert und geplant, aber nichts beauftragt.
Somit bleibt mir nichts anderes übrig, als keine Garantie auf Verfügbarkeit abzugeben, solange man mir auch keine Garantie auf Beschäftigung gibt: Wer möchte, dass ich mir Zeit verbindlich für ihn freihalte, sollte auch so fair sein und die Zeit bezahlen, wenn sich die Arbeit aus irgendwelchen Gründen verschiebt. Dazu sind Kunden jedoch im allgemeinen nicht bereit.