Kommunikationsproblem Projekt

In Deutschland werden an jedem Werktag einige hundert IT-Projektausschreibungen veröffentlicht. Dabei geht es darum, dass ein (zumeist unbekannter) Endkunde Bedarf an selbständiger Projektunterstützung zeigt, und dies meistens über Vermittler am Markt der verfügbaren Freelancer plaziert. Herzstück der Ausschreibung ist die Beschreibung der Qualifikationen, die der Freelancer mitbringen soll. Und hier liegt das Problem: Diese Beschreibungen sind häufig ungeeignet.

Zuviel falsche Details Nicht selten werden spezielle Tools genannt, oder einzelne Programmversionen. Jede Technologie, die auch nur entfernt mit dem Projekt in Verbindung steht, wird aufgezählt. Allerdings sind diese Zusammenstellungen recht einzigartig. Viele Bewerber haben mit ähnlichen Tools gearbeitet, kaum jemand jedoch mit genau diesen Versionen. Jeder von uns kann ein Möhnbrötchen kaufen, aber niemand findet eines mit genau 4150 Körnern.

Zuwenig richtige Details Inhaltliche Anforderungen des Projektes werden hingegen kaum genannt: Worum geht es, was ist das Ziel des Projektes? Wie ist das Projekt organisiert? Gibt es etablierte Arbeitsmethoden, die (im Gegensatz zu Toolkenntnissen) möglicherweise jahrelang durch Praxis geübt sein müssen? Wodurch zeichnen sich die bereits vorhandenen Projektteilnehmer aus, welche soft skills muss ein erfolgreicher Freelancer mitbringen?

Der Freelancer kann in der Regel nicht direkt mit dem Endkunden sprechen. Der Vermittler übernimmt die Aufgabe, dem Endkunden passende Kandidaten vorzustellen. Für die Mitarbeiter des Vermittlers sind die vielen Toolbezeichnungen und Versionen jedoch böhmische Dörfer, häufig sind diese Menschen eben keine IT-Fachleute und können die Zusammenhänge nicht beurteilen. Damit stehen sie vor einer schwer lösbaren Aufgabe: Sie müssen Profile und Anforderungen miteinander abgleichen, ohne beide gleichermaßen zu verstehen.

In der Folge bekommt der Kunde nicht den Berater, den er braucht – sondern den, nachdem er gesucht hat. Studien (zB diese oder diese) sagen aus, dass 80 Prozent der IT-Projekte und mehr nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Ob das auch daran liegt, wie Personal gesucht wird? Ein Beispiel:

Der ABC-Konzern plant die Erstellung und Einführung einer Softwarelösung. Die Beschreibung der zukünftigen Architektur wird anhand der im Haus vorhandenen Tools zusammengestellt, da den zu diesem Zeitpunkt beteiligten Personen keine Alternative bekannt ist. Der Konzern verfügt auch nicht über die neusten Versionen dieser Tools, sondern über ältere Vorversionen.

Jetzt werden Berater gesucht, die in der jüngsten Vergangenheit mit diesen alten Tools gearbeitet haben, um damit die zukünftige Lösung zu implementieren. Die Berater werden gefunden und liefern das gewünschte Ergebnis, das sich aber schon bald als nicht zukunftsfähig erweist und überarbeitet werden muss.

Ein Projekt ist erfolgreich, wenn es seine Ziele mit den vorgesehenen Ressourcen im geplanten Zeitrahmen erreicht. Es gibt viele mögliche Gründe für das Scheitern eines Projektes, die Auswahl unpassender Projektteilnehmer sollte nicht dazu gehören. Was können sie tun, um ihre Chancen auf passende Unterstützung zu verbessern?

5 Tipps für ihre Freelancer-Suche

  1. Bewerten sie ihre Ausgangslage realistisch.
  2. Suchen sie nach Menschen, die in vergleichbaren Projekten gemäß (1) erfolgreich waren.
  3. Nutzen sie persönliche Empfehlungsnetzwerke. Bevorzugen sie direkten Kontakt.
  4. Bewerten sie zuerst kommunikative Fähigkeiten. Sie suchen einen Menschen, keinen Computer.
  5. Wenn sie technische Fähigkeiten suchen, dann fassen sie Tools zu funktionalen Gruppen zusammen und suchen sie danach, nicht nach Versionen.