Auf Mitarbeitersuche

Eine Diskussion beschäftigt derzeit mindestens die Ruby-Gemeinde: Wohin man schaut, findet man unter Softwareentwicklern und Konferenzteilnehmern sowie im Bereich der Opensource-Projekte ganz überwiegend weiße Männer im Alter zwischen 20 und 39. Was ist mit Frauen? Was ist mit älteren Menschen, Menschen anderer Hauptfarbe, aus anderen Kulturkreisen? Fehlanzeige. Ich finde es gut und richtig, dass darüber gesprochen wird, denn wenn hier eine systematische Diskriminierung stattfindet, dann muss diese abgestellt werden.

Das Klischee aber existiert: Wieso gibt es zB so wenige Frauen im IT-Bereich?

Ich würde gerne einen weiteren Softwareberater einstellen, da genug Arbeit für zwei zu tun ist. Dabei unterstütze ich ganz ausdrücklich Gleichberechtigung und Inklusion: Für mich zählen Eigenschaften wie technische Affinität, Sorgfalt und Liebe zum Detail, mathematische Denkweise und Kreativität. Der Job erfordert ganz sicher Eigeninitiative und Kundenorientierung, das Vorhandensein eines Y-Chromosoms ist hingegen vollkommen irrelevant. Auch körperliche Höchstleistungen müssen nicht erbracht werden.

Wie gerne würde ich zB einem Menschen, der vor 20 Jahren mal Mathematik studiert hat, dann aber zwischendurch Kinder erzog, heute die Möglichkeit bieten, in Teilzeit bei mir Ruby zu programmieren. Mein Unternehmen ist winzig, "Größe" ist offensichtlich kein Argument, für mich zu arbeiten. Was ich aber bieten könnte, wäre weitreichende Flexibilität bei Arbeitszeit, -modell und -ort. Aber nimmt jemand darauf Bezug? Erhalte ich überhaupt irgendwelche Bewerbungen von Frauen, von Menschen aus der Gruppe 50+, von Menschen mit Behinderung? Sorgen politische Aktionen wie der Girls'Day oder die Perspektive 50plus dafür, dass bei mir andere Bewerbungen als zuvor eingehen?

Stand heute: Nicht eine einzige.

Entscheidend dafür, ob ich jemanden einstellen kann, sind nicht Bachelor-Abschluß, Hipsterfaktor und Jugendlichkeit, sondern die genannten Fähigkeiten, zu denen ich mir anhand von Indizien eine eigene Meinung bilde: Wer erzählt, sich schon sein ganzes Leben lang für Programmierung zu interessieren, wird sicher irgendwann mal aus eigenem Antrieb etwas in dem Bereich gemacht haben – und das will ich sehen. Zeugnisse und Zertifikate haben für mich nur ausgesprochen begrenzte Aussagekraft, was mich interessiert, sind Arbeitsproben, Hobbyprojekte und (kurze) Probearbeit. Wer sich zum Programmieren eignet, schafft das auch in Ruby. Wem die Eignung fehlt, der wird auch mit Ruby on Rails kein guter Programmierer.

Ich werde in den nächsten Tagen eine entsprechende Stellenausschreibung unter meinen Jobangeboten veröffentlichen, und ich würde mich wirklich freuen, mal Bewerbungen abseits der zu erwartenden Kerngruppe zu bekommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man sagt.