Aufwände nach Fertigstellung

Wer eine Software in Auftrag gibt, investiert Geld. Manche Kunden übersehen aber, dass die fertige Software am Ende nicht von allein zum Leben erweckt werden kann. Nicht selten erlebe ich, dass Kunden die Folgekosten schlicht vergessen.

Auch wenn alle Tickets bearbeitet sind und die Dokumentation übergeben: Nach Fertigstellung des Projektes bleibt zumeist dennoch noch etwas zu tun. Dazu gehört zum Beispiel:

… bei Inbetriebnahme

  • Hardware-Bereitstellung
    11 von 10 Kunden antworten auf die Frage, ob ihnen Stabilität und Ausfallsicherheit extrem wichtig sind, mit ja. Kaum einer bedenkt, dass mehrere Server bedeutet, dass jemand mehrere Server bereitstellen muss. Haben Sie die Kosten für diese Maschinen kalkuliert? 20-100 EUR für einen virtualisierten Server, 50-400 EUR für einen dedizierten Server, 150-800 EUR für einen managed server. Netto pro Monat zzgl. Einrichtungsgebühr, versteht sich.
  • Hardware-Installation
    Sie wünschen sich für ihre Anwendung also 1 Firewall, 2 Anwendungsserver und 1 Datenbankserver? Kalkulieren sie 8-12 Arbeitsstunden für die Erstinstallation und -konfiguration pro Maschine.
  • Installation in produktiver Umgebung
    Ihre Anwendung soll auf dem Produktivserver Neustarts der Maschine überleben, da müssen alle Dienste entsprechend konfiguriert werden. Manchmal muss ein echtes SSL-Zertifikat beschafft und installiert werden. Rechnen sie mit 4-8 Arbeitsstunden für diese Arbeiten.
  • Anpassung der Software
    Die Datenbank der neuen Software ist leer, kein Account ist eingetragen, keine Werteliste gefüllt. Das muss gemacht werden. Der Aufwand variiert mit der Komplexität ihrer Bestandsdaten, mindestens 4-8 Arbeitsstunden sollten sie einrechnen. Müssen Altsysteme importiert werden? Addieren sie –je nach Art der Quelle– zwischen 8 und 40 Arbeitsstunden pro Quelle.

… und später

  • Serverwartung
    Ihre Server müssen mit aktualisierten Versionen der Betriebssysteme gewartet werden. Wenn sich eine ihrer Maschinen aufgrund einer veralteten Komponente zur Spamschleuder entwickelt, wird ihnen der Provider recht schnell den Hahn abdrehen. Kalkulieren sie ca. 4 Arbeitstunden pro Gerät pro Monat, um das zu vermeiden.
  • Datensicherung
    Ihre Produktivdaten sollten mindestens täglich gesichert werden, um Datenverlust vorzubeugen, nicht selten ist sogar ein kleineres Intervall wünschenswert. Dabei kommt es darauf an, dass sie mehr als eine Sicherung vorliegen haben: Wenn ein Fehler am Freitag Daten zerstört, dies aber erst am Montag gesehen wird, dann würde ansonsten das Backup vom Sonntag bereits nicht mehr helfen. Rechnen sie mit 4 Arbeitsstunden pro Datenquelle (Datenbank, Filesystem etc) pro Monat für die Sicherung.
  • Anwendungsentwicklung
    Software entwickelt sich weiter. Nicht selten sind in neueren Versionen wichtige Fehler behoben, die die Sicherheit der Software erhöhen. Es ist daher unabdingbar, regelmäßig die Komponenten zu aktualisieren. Dabei entsteht häufig Anpassungsaufwand, da sich Schnittstellen und Verfahren mit der Zeit ändern können. Kalkulieren sie 2 Prozent des ursprünglichen Aufwandes in Entwicklungsstunden pro Monat, um auf dem Laufenden zu bleiben. Beispiel: 400 Stunden initiale Entwicklung = gut 8 Stunden pro Monat für laufende Anpassung. Darin ist selbstverständlich keine Änderung der Funktionalität inbegriffen, es geht nur um die Erhaltung der Betriebsfähigkeit.

Nicht selten ist es angesichts dieser Kostenquellen sinnvoll, eher kleiner als größer zu starten – groß wird ihr neues Projekt dann von alleine. Auch wahr: Wer selbst kompetent anpackt, kann Kosten sparen.