Investieren in PHP? Oder Java? Oder…

PHP

Ein Investor verschenkt sein Geld nicht. Die Investition soll erfolgreich sein und eine hübsche Rendite bringen. Damit das gelingt (es klappt nicht immer) prüft der Investor zu Beginn, wofür er sein Geld hergeben soll:

  • Ist das Produkt gut?
  • Wie sind die Marktchancen?
  • Was macht der Wettbewerb?
  • Wie ist das Unternehmen strukturiert?
  • Welche Personen stecken hinter der Idee?

In einem Gastbeitrag auf deutsche-startups.de erläutert Björn Schotte seine Ansicht, warum VCs in Start-ups investieren sollten, die auf PHP setzen. Es ist kein Geheimnis, dass ich (anders als Björn Schotte) kein Freund von PHP bin. Genauso würde ich aber jedem Text widersprechen, der eine beliebige andere Technologie als Kriterium für ein Investment heranzieht. Warum?

Dem Kunden ist es total egal, womit die Anwendung gebaut ist, solange sie funktioniert.

Es gibt sicherlich tausende von Möglichkeiten, wie man ein Startup scheitern lassen kann. Das Produkt kann zu teuer sein oder zu billig, zu früh oder zu spät erscheinen, es kann zu gut oder zu schlecht sein. Mal stimmt die Chemie im Team nicht, mal verhindern äußere Einflüsse wie Mode oder öffentliche Wahrnehmung den Erfolg. Selbst die Wahl einer ungeeigneten Technologie kann zum Misserfolg führen. Aber sagt das irgendetwas darüber aus, ob eine Technologie mehr oder weniger viel Erfolg verspricht? Nein.

These: Off-the-shelf Anwendungen sind wichtig

Eine Hauptthese des oben erwähnten Artikels ist: Es gibt zahlreiche fertig nutzbare Anwendungen, die in PHP geschrieben sind. Wenn Startups diese Anwendungen verwenden, so ist das erfolgversprechend.

Aber: Man muss unterscheiden zwischen benötigter Infrastruktur und dem Kernprodukt des Startups. Ein Handelsgeschäft, das neuartige Waren herstellt und verkauft, muss kein Shopsystem selbst entwickeln – die Innovation steckt im zu verkaufenden Produkt. Ist das Produkt des Startups aber ein digitaler Dienst, so wäre es für einen Investor eher negativ, wenn dieser Dienst bereit mit fertig verfügbaren Anwendungen realisierbar wäre. Die Innovation bzw. Alleinstellung wäre minimal, ebenso auch der erfolgversprechende Effekt.

These: Die absolute Anzahl von Entwicklern ist wichtig

Björn Schotte argumentiert weiter, dass die Verwendung von PHP den Erfolg eines Startups positiv beeinflusst, da die hohe Zahl von Menschen, die PHP verwenden, die Suche nach Mitarbeitern erleichtert.

Abgesehen davon, dass die sehr hoch anmutende Zahl von 5 Mio. PHP-Entwicklern weltweit von Zend behauptet wird, einer Firma, die ihr Geld mit PHP-Entwicklerwerkzeugen verdient: Entwickler ist nicht gleich Entwickler. Wie hoch ist der Anteil von Hobbyisten und Anfängern? Auf der internationalen Freelancerplattform elance.com geben zwar 91.000 Web-Entwickler an, PHP zu beherrschen, nur etwa jeder zehnte hat jedoch bereits überdurchschnittliches Feedback erhalten. Oder anders: 9 von 10 PHP-Entwicklern auf elance.com sind bislang nicht positiv aufgefallen. Dabei ist das kein PHP-Effekt: Für andere Technologien sieht es übrigens genauso aus, was den Schluß zulässt: Die meisten Entwickler können nicht programmieren.

Teams benötigen Kommunikation, und allen Rufen nach mehr Remotearbeit zum Trotz ist regionale Verfügbarkeit weiterhin ein Kriterium für erfolgreiches Recruiting. Wenn also weltweit die meisten Entwickler über höchstens mittelmäßige Kenntnise verfügen, muss deren weltweite Zahl wenig über die konkreten regionalen Recruitingchancen aussagen. Oder anders: Mein Team wird nicht besser, weil es weltweit viele Anfänger und Dilettanten gibt.

These: Aber Rocket, Project A und andere…

Aber sollte man einfach einem allgemeinen Trend hinterherlaufen? Zwar verneint der Artikel dies zunächst, anschließend bejaht er es wieder: PHP sei eine gute Wahl, weil namhafte Inkubatoren darauf setzen. Über die Gründe kann man spekulieren: Dem Inkubator geht es darum, Ideen schnell auszuprobieren, dabei kommt es nicht auf langfristige Stabilität an. Wenn aber Langfristigkeit kein Kriterium ist, was sagt das über die Wahl von PHP aus? Ist möglicherweise der Anteil unerfahrener Entwickler (s.o.) kein Hindernis, sondern ein Kostenvorteil? Ist ernsthafte Softwareentwicklung kein Thema für die meisten Startups?

In dem Zusammenhang weise ich auf die Meldung hin, dass die Inkubator-Szene nahezu implodiert zu sein scheint bzw. von veränderten Modellen abgelöst wird. Ist schnell-billig-PHP kein Thema mehr?

Fazit: Was bleibt, ist Marketing.

Wenn der Vertriebs- und Marketingchef eines auf PHP spezialisierten Dienstleisters VCs empfiehlt, in PHP-basierte Startups zu investieren, so darf man hier wohl andere als nur selbstlose Interessen vermuten. Den VCs hingegen möchte ich raten, ihr Investment nicht von Technologien abhängig zu machen, solange es nicht genau diese Technologie ist, die als Produkt vermarktet wird.

In die Mayflower GmbH würde ich auch nur investieren, wenn ich an den Markterfolg von Beratungsdienstleistungen rings um PHP glauben würde. Diese werden übrigens umso dringender benötigt, je schlechter die Qualität der zu beratenden Firmen ist. Go figure…