Lieblingskunde des Freelancers

Tamara Oberholster schrieb einen hervorragenden englischen Blog unter dem Titel How to become your freelancers favourite client. Ihre Hinweise sind so wertvoll, dass ich sie hier auf deutsch wiederholen und um ein paar eigene Eindrücke ergänzen möchte.

Freelancer sind eine gute Ergänzung des festangestellten Teams. Man kann spezialisierte Expertise abrufen, wenn man sie braucht und solange man sie braucht. Der Freelancer verpflichtet sich meistens zur Lieferung einer festgelegten Leistung. Bezahlte Krankheitszeiten, Fortbildungskosten etc. sind kein Thema, wenn Freelancer den Job erledigen.

Auf der anderen Seite ist es für viele Auftraggeber ungewohnt, mit externen Kräften zu arbeiten. Der Freelancer organisiert seine Arbeit anders als die festangestellten Kollegen. Wenn man das nicht ausreichend berücksichtigt, kann es zu Mißverständnissen und Frustration kommen – auf beiden Seiten.

Präzise Beauftragung ist der Schlüssel. Ein Freelancer kann die Wünsche seines Auftraggebers nur dann erfüllen, wenn er sie kennt. Häufig genug ist das nicht ausreichend der Fall. "Meine Webseite soll schick sein, mit modernen Farben und einer lesbaren Schrift." ist nicht genug. Es ist in Ordnung, mit dem Freelancer zusammen die Details des Auftrages auszuarbeiten, eine Grundidee der zu leistenden Arbeit sollten sie aber haben, bevor sie jemanden engagieren.

Regelmäßiger Kontakt hilft. Änderungen sind zwar fast immer möglich, aber häufig mit größerem Aufwand verbunden, je später sie im Produktionsprozess erfolgen. Professionelle Freelancer lassen dem Kunden frühzeitig Entwürfe, Ansichten und Prototypen zukommen, damit dieser sich daraufhin ein Bild machen kann. Ein guter Kunde kommt dieser Mitwirkungspflicht nach und prüft die Materialen zeitnah und gründlich, um sich dann mit verbindlichem Feedback zurückzumelden.

Der Preis allein entscheidet nicht. Zu teuer ist nicht gut, aber zu billig ist es auch nicht. Der Preis muß zum Budget passen, aber wichtiger noch muß die Leistung zur Aufgabe passen. Ein guter Auftraggeber vergleicht Angebote und Referenzen. Ein guter Freelancer hält diese Informationen bereit, damit sich der Auftraggeber ein Bild machen kann.

Freelancer haben mehrere Kunden. Freelancing ist Auftragsgeschäft. Kein Auftrag – kein Einkommen. Berücksichtigen sie als Auftraggeber, dass sie nicht der einzige Kunde ihres Freelancers sind. (Sie profitieren davon in Form nützlicher Erfahrung.) Vereinbaren sie klare Termine und Lieferzeitpunkte. Halten sie diese auch für die Informationen, die sie zu liefern haben, denn der Freelancer plant auf der Basis dieser Termine seine Arbeit. Bedenken sie, dass der Freelancer von sich aus ein Anschlußprojekt suchen wird, wenn sie ihn nicht rechtzeitig weiter beauftragen.

Bleiben sie ansprechbar, treffen sie Entscheidungen. Große Organisationen können Jahre damit zubringen, Entscheidungen aufzuschieben und Verantwortung hin- und her zu delegieren. Ein Freelancer hat in seinem Projekt dazu keine Möglichkeit. Wenn Rückfragen auftauchen (und das tun sie immer), müssen diese in angemessener Zeit beantwortet werden. Sorgen Sie also dafür, dass für die Dauer des Projektes bei ihnen ein Ansprechpartner benannt ist, der verfügbar ist (kein Urlaub, Teilzeit etc.) und befugt, Entscheidungen zu treffen.

Vereinbarungen zur Bezahlung müssen eingehalten werden. Vor Beginn der Arbeit müssen Details wie Höhe und Zeitpunkt der Bezahlung festgelegt sein. Vereinbaren sie ggfs. Zwischenziele, zu denen Teilsummen in Abhängigkeit von definierten Ergebnissen gezahlt werden sollen. Halten sie Zahlungsziele ein. Der Freelancer ist keine Bank. Wenn ein Kunde nicht zahlt, führt das mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass der Freelancer sich unmittelbar anderen (besser zahlenden) Kunden zuwendet. Es ist vollkommen in Ordnung, vor Beginn der Arbeiten den besten Preis zu verhandeln. Es ist nicht in Ordnung, diesen erneut zu verhandeln, nachdem die Arbeit getan ist.